Gottes Geist weht, wo er will

Ostern ODER Pfingsten? Welchem der beiden Feste würden Sie das Bild von Angelika Hintzmann zuordnen? Ist das eine malerische Umsetzung der Auferstehung? Könnte es sein, dass die Spiralen sich nach oben zu bewegen scheinen und das Rot an die Wunden Christi erinnert? 
Oder stellt das Bild das wilde Wehen des Geistes dar, der an Pfingsten über die Jünger kam, mit eingestreuten roten Feuerzungen? Auch möglich!

Das Bild stammt aus der Serie "Wind & Spiral Formationen". Das Bild also eines von vielen – deshalb fällt meine Entscheidung zugunsten von Pfingsten aus. Wild und unwiderstehlich kommt der Geist über die Jünger in Form von Wind und Feuerzungen – und nach der anschließenden Predigt des Petrus lassen sich viele Menschen taufen. Dieser neue Glaube, diese Liebe Gottes, die aus dem Leben, Sterben und Auferstehen seines Sohnes spricht, begeistert die Menschen. Da wollen sie dabei sein. Davon sind sie ergriffen. Aber der Geist ist auch flüchtig. Er lässt sich nicht festhalten, nicht verwalten, nicht in eine Form gießen. Der Geist weht, wo er will.

"It‘s all a question of perspective“ – wie man Bilder sieht und interpretiert, sagt die Künstlerin. Sie hat das Bild, den Zyklus gemalt als "eine Hommage an die flüchtige Natur der Gedanken und den unendlichen Zyklus der Natur".

Gemeinsam mit Monika Mästele-Kerrouche stellt die Künstlerin an den Kunsttagen am letzten Wochenende im Mai ihre Bilder im Saal des Gemeindehauses in Friedrichsdorf aus. Monika Mästele-Kerrouche malt ganz anders. Gegenständlicher. Für mich ist das eine gute Mischung und gegenseitige Ergänzung.

Und wenn ich das Bild von Monika Mästele-Kerrouche im Zusammenhang mit Pfingsten interpretiere, dann kann ich in ihm das quirlige Jerusalem sehen an diesen ersten Pfingsttagen. Denn es waren Tausende gekommen, vor allem Ausländer, um in Jerusalem Schawuot zu feiern. Das ist ein fröhliches jüdisches Fest, in dem man sich für die Verkündigung der Gebote bedankt, die Mose vom Berg Sinai mitbrachte. Deshalb pilgerte man nach Jerusalem. Die Stadt war bunt und laut – und mittendrin die Jünger, die als kleine Gruppe diese neue Ausrichtung des Glaubens verkündigten mit Jesus Christus im Mittelpunkt. Noch ist er in der Menge kaum wahrzunehmen – aber bald wird er hinaus laufen in alle Welt.

Erzählen wir uns von unserem Glauben. Erzählen wir uns, wie wir Worte und Bilder sehen und interpretieren. Die Welt wird reicher durch Vielfalt und unser Leben auch.

Frohe Ostern und frohe Pfingsttage!
Ihre 
Pfarrerin Gundula Guist