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Foto: Christa Himmelreich-Tröger
Frontansicht der evangelisch-lutherischen Kirche Seulberg.
Seulberg wurde im Jahre 767 erstmals urkundlich erwähnt. Die erste Kirche des Dorfes Seulberg , eine kleine Kapelle wurde in spätgotischer Zeit (Ersterwähnung 1326) als katholische Kirche errichtet. Seit spätestens 1351 fungierte sie als erste Pfarrkirche des erstmals 1325 erwähnten “Kirchspiels” (=Kirchenkreises) Seulberg. Erst 1351 verfügen wir über gesicherte Daten bezüglich der Pfarrei Seulberg.
Sie gilt als “Mutterkirche” des Seulberger Kirchspiels, zu dem bis ins 17. bzw. 18. Jahrhundert die umliegenden Orte Holzhausen, Köppern und Dillingen und später Friedrichsdorf gehörten. Die Seulberger Pfarrei gehörte zum damaligen Erzbistum Mainz und wurde vom Mainzer Domstift dotiert. Der Vertreter des Domstiftes logierte in einem am Obertor gelegenen Herrenhof, der der heutigen “Herrenhofstraße” ihren Namen gab.
Die kleine Kirche trug den Namen des Mainzer Bistumspatrons und wurde “Martinskapelle” genannt. Seit 1527/1530 wurde sie als evangelisch-lutherische Kirche genutzt. Die Apsis zeigte nach Osten. Die im Osten aufgehende Sonne symbolisiert Christus, der von sich sagte: “Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben!” (Joh 8,12) Dieses Wort ist bis heute in der Nachfolgekirche, die aus bautechnischen Gründen nunmehr gewestet ist, am Chortympanon zu finden.
Der Neubau
Im 19. Jahrhundert war die kleine Kapelle in die Jahre gekommen. Der bauliche Zustand war inzwischen sehr schlecht. Der Kirchturm war schief und schwankte bedenklich beim Läuten der Glocke. Und es zeigten sich große Risse. Und so kam , was kommen musste. Während des Gottesdienstes kam ein ganzes Stück der Decke runter. Keine Chance die spätgotische Kapelle zu renovieren. Daran konnten auch die bereits 1698 und 1807 erfolgte Instandsetzungen nichts ändern. Der Kirchenvorstand beschloss 1848 einen Neubau.
Die Gemeinde beauftragte den Homburger Bauinspektor Westerfeld, der schon die 1834 fertiggestellte Kirche in Friedrichsdorf gebaut hatte, mit der Planung. Doch die Landesregierung untersagte aufgrund fehlender Mittel einen Neubau. Außerdem hatte man erst 1860 den Friedhof um die alte Kirche vergrößert, der einem Neubau hätte weichen müssen. Doch dann! Endlich. Am 7. Februar 1862 erteilte die landgräfliche Behörde die vorläufige und am 15. August 1862 die endgültige Baugenehmigung. Am 19. September 1862 konnte der Grundstein gelegt werden.
Die Steine für die geräumig geplante Kirche wurden in Seulberg gebrannt. Schon lange ging man hier dem Töpferhandwerk nach. Der tonige und lehmige Boden ermöglichte eine stabile Brennung von Ziegelsteinen, die man beim Bau verwendete. Die ortsansässige Firma Kaspar Ripp verfertigte die Ziegel. Bis 1847 wurden solche Ziegel im Aulofen (Auler = Töpfer) in der im westlichen Ortsteil gelegenen “Lahmekaut” verfertigt. Das mundartliche Wort “Lahmekaut” bezeichnet eine “Lehmkaute”. Unter einer “Kaute” versteht man eine tiefe Mulde. Sie ist bis heute im Straßenbild der Wimsbacher Straße noch erkennbar und diente über Jahrhunderte als Lehmreservoir der Seulberger Töpfer.
Am 6. November 1864 wurde die fertiggestellte Kirche eingeweiht. Man versammelte sich im bisherigen Betsaal und zog in festlicher Prozession unter dem Geläut der Glocken zum Portal der Kirche. Dort überreichte der Baumeister den Schlüssel dem “landesherrlichen Commisär”, der ihn dem “kirchlichen Commisär” weitergab, der ihn dann seinerseits dem Ortsgeistlichen Pfarrer Martin Wolf (Pfarrer seit 1863) “zur Öffnung der Türe” aushändigte.
Die neue Kirche sollte als Raum daherkommen, in dem sich die Gemeinde versammelt, um Gottes Wort zu hören, auf das zu antworten sie eingeladen ist. Es ging den Erbauern also mehr um die Errichtung eines Kommunikations- als eines Sakralraumes.
Der Kirchturm
Der 1864 erbaute Kirchturm überragt das Dorf und wird von den Seulbergern als Wahrzeichen ihres Wohnortes wahrgenommen. Er markiert nicht nur die alte Dorfmitte, sondern weist insbesondere nach oben. Er überragt die umstehenden Häuser und weitet den Blick aus der alltäglichen “Horizontale” in eine “Vertikale”, die er bleibend in Erinnerung bringt.
Die Kirchengemeinde sieht ihre Aufgabe darin, inmitten des Alltags die Frage nach Gott und die Perspektive auf IHN offenzuhalten und nach IHM Ausschau zu halten. Der Kirchturm will an die Perspektive erinnern, die Jesus von Nazareth aufgemacht hat, der den Himmel über sich offen wusste (Mk 1,10) und seine Zeitgenossen ermahnte, den Himmel nicht zu veruntreuen. Der Seulberger Kirchturm ist mit seinen 50 Metern weithin zu sehen und darf durchaus als “Leuchtturm des Glaubens” verstanden werden. Er vermittelt den Passanten ein Gefühl von Sicherheit. Seine Wehrhaftigkeit erinnert an Luthers Lied “Ein feste Burg ist unser Gott!”
Er ist künstlerisch durchaus anspruchsvoll gestaltet und gegliedert. Über dem quadratischen Sockel, der über das 2022 neu gedeckte Kirchendach hinausreicht, erhebt sich der achteckige Turm in die Höhe. Die Strebepfeiler sind von schlanken Filialen gekrönt, die dem Turmsockel trotz seines Trutzcharakters eine gewisse Leichtigkeit und ein schlank wirkendes Erscheinungsbild verleihen. Das “Podest” ist durch das Dreigestirn von spitz zulaufendem Portal, spitz zulaufendem zweibahnigem Fenster und den Turmuhren durchbrochen und ist durch ein Spitzbogenfries vom folgenden Turmelement abgesetzt.
Der auf dem quadratischen “Podest” aufstehende achteckige Turm, der von vier Filialen begrenzt und durch sogenannte “Fischaugen” und den darüberliegenden Schallfenstern durchbrochen ist, mündet in eine Bekrönung, auf der der in Schiefer gedeckte Turmhelm aufsitzt und in den Himmel ragt. Der Turm musste immer wieder saniert und neu eingedeckt werden. So etwa zwischen und nach den Weltkriegen (1937/1951) und wiederum 1968. Letztmalig im Rahmen der Sanierungsarbeiten in den frühen 2000er-Jahren.
Wahrzeichen des Ortes
Das Wahrzeichen Seulbergs findet sich prominent auf der Fahne der Freiwilligen Feuerwehr Seulberg, die 2023 ihr 100-jähriges Bestehen feierte. Die Gemeinde nutzt die Silhouette als Logo, das 2021 von Claudia Mirschenz-Müller entworfen und der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde. Wie sehr die Seulberger “ihren” Kirchturm lieben, zeigt sich in der steten Verwendung des Turmes als Wahrzeichen ihrer Verbundenheit mit ihrem Wohnort.
(Text übernommen aus dem Seulberger Domführer, erarbeitet von Schülern der Hardtwaldschule und Pfarrer Dr. Thomas Krenski)