Panoramaansicht der Seulberger Kirche vor dem Taunuskamm. Foto: Christa Himmelreich-Tröger

Seulberg

Liebe Gemeinde,

was für eine Freude, Ihnen diese Zeilen schreiben zu können: Ab August werde ich – Nadia Burgdorf (38) – die neue Pfarrerin in Seulberg sein. Ich freue mich darauf mit Ihnen zusammen in Seulberg zu leben, zu arbeiten, den Glauben zu teilen, Menschen kennenzulernen, Gottesdienste zu feiern und Sie alle in den unterschiedlichsten Lebenslagen begleiten zu dürfen.

Ich freue mich darauf, ein Teil von Ihrer Gemeinde zu werden und zu entdecken, welche wunderbaren Menschen hinter den zahlreichen Projekten stehen, von denen ich bereits aus der Gemeinde gehört habe. Für mich ist der Umzug nach Seulberg auch eine Rückkehr in die Heimatregion. Aufgewachsen bin ich in Oberstedten, später ging es zum Studieren in die Niederlande und nach Marburg.

Mein Vikariat, also die Ausbildung zur Pfarrerin, habe ich in Niedernhausen im Taunus gemacht. Nach dem Vikariat habe ich ein Jahr lang als Assistentin und dann als Referentin für die Professur für Religionspädagogik am Theologischen Seminar Herborn gearbeitet.

In dieser Zeit habe ich einen Glaubenskurs für Teamer und jugendliche Ehrenamtliche entwickelt und seitdem in verschiedenen Gemeinden (u. a. im Raum Katzenellenbogen) durchführen dürfen. Die Arbeit mit wundervollen Jugendlichen, die die Zukunft unserer Kirche sind, liegt mir seitdem sehr am Herzen. Seit 2018 war ich Pfarrerin in Karben. In diesen Jahren habe ich zusammen mit dem Kirchenvorstand und meinen drei Kollegen die Gemeinde von der Rechtsform der Arbeitsgemeinschaft, über die Gesamtkirchengemeinde bis hin zur 2026 fusionierten Gemeinde begleitet.

In der Coronazeit haben ich den Wert der digitalen Verkündigung einer Kirchengemeinde kennengelernt und habe seitdem mehrere Online-Glaubenskurse, sowie digitale Gottesdienstformate durchgeführt. Für die insgesamt sieben Ortsteile von Karben habe ich verschiedene zentrale Projekte entwickelt und Projekttteams geleitet. Eines meiner Lieblingsprojekte war der zentrale monatliche Kindergottesdienst mit ca. 50 Kindern und der Open Air Gottesdienst an Heilig Abend vor dem Seniorenheim der Johanniter in Karben.

Ich genieße die Vielseitigkeit des Pfarrberufes sehr. Besonders erfüllt mich der persönliche Kontakt zu Menschen meines Lebensumfelds im Alltag. Ob bei Kasualien, Geburtstagsbesuchen oder dem Kontakt mit Vereinen – meiner Meinung nach ergeben sich die besten Begegnungen oft nebenbei.

In Gottesdiensten predige ich gerne aus vollem Herzen. Glauben soll für mich immer auch immer Hand und Fuß haben, muss anwendbar im Alltag- und vor allem tiefgründig, ansprechend und wohltuend sein. Dafür gebe ich mir große Mühe. Mit Menschen tragfähige Beziehungen aufzubauen, Gemeinschaft zu erleben und gemeinsam nach frischen Formen von Kirche der Zukunft zu suchen, das ist für mich der Segen meines Berufs. Wie toll, dass ich das jetzt in Friedrichsdorf machen darf.

Übrigens komme ich nicht allein hier her ins Pfarrhaus. Ich bringe noch drei weitere Menschen mit. Meinen Mann Simba (ebenfalls Pfarrer) sowie unsere beiden Kinder Leontien (10) und Aris (6). In unserer Freizeit gehen wir als Familie zu allen Jahreszeiten gerne zelten und zum Feierabend mache ich gerne Handarbeiten aller Art zum Abschalten.

So, jetzt wissen Sie ein bisschen was über mich – jetzt sind Sie an der Reihe!

Ich freue mich darauf, Sie alle nach und nach kennenzulernen und wünsche Ihnen bis dahin alles Gute und Gottes Segen,

Ihre Pfarrerin Nadia Burgdorf


Geschichte und Bau der Kirche von Seulberg

Seulberg wurde im Jahre 767 erstmals urkundlich erwähnt. Die erste Kirche des Dorfes Seulberg , eine kleine Kapelle wurde in spätgotischer Zeit (Ersterwähnung 1326) als katholische Kirche errichtet. Seit spätestens 1351 fungierte sie als erste Pfarrkirche des erstmals 1325 erwähnten “Kirchspiels” (=Kirchenkreises) Seulberg. Erst 1351 verfügen wir über gesicherte Daten bezüglich der Pfarrei Seulberg. 

Sie gilt als “Mutterkirche” des Seulberger Kirchspiels, zu dem bis ins 17. bzw. 18. Jahrhundert die umliegenden Orte Holzhausen, Köppern und Dillingen und später Friedrichsdorf gehörten. Die Seulberger Pfarrei gehörte zum damaligen Erzbistum Mainz und wurde vom Mainzer Domstift dotiert. Der Vertreter des Domstiftes logierte in einem am Obertor gelegenen Herrenhof, der der heutigen “Herrenhofstraße” ihren Namen gab.

Die kleine Kirche trug den Namen des Mainzer Bistumspatrons und wurde “Martinskapelle” genannt. Seit 1527/1530 wurde sie als evangelisch-lutherische Kirche genutzt. Die Apsis zeigte nach Osten. Die im Osten aufgehende Sonne symbolisiert Christus, der von sich sagte: “Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben!” (Joh 8,12) Dieses Wort ist bis heute in der Nachfolgekirche, die aus bautechnischen Gründen nunmehr gewestet ist, am Chortympanon zu finden.

Der Neubau

Im 19. Jahrhundert war die kleine Kapelle in die Jahre gekommen. Der bauliche Zustand war inzwischen sehr schlecht. Der Kirchturm war schief und schwankte bedenklich beim Läuten der Glocke. Und es zeigten sich große Risse. Und so kam , was kommen musste. Während des Gottesdienstes kam ein ganzes Stück der Decke runter. Keine Chance die spätgotische Kapelle zu renovieren. Daran konnten auch die bereits 1698 und 1807 erfolgte Instandsetzungen nichts ändern. Der Kirchenvorstand beschloss 1848 einen Neubau.

Die Gemeinde beauftragte den Homburger Bauinspektor Westerfeld, der schon die 1834 fertiggestellte Kirche in Friedrichsdorf gebaut hatte, mit der Planung. Doch die Landesregierung untersagte aufgrund fehlender Mittel einen Neubau. Außerdem hatte man erst 1860 den Friedhof um die alte Kirche vergrößert, der einem Neubau hätte weichen müssen. Doch dann! Endlich. Am 7. Februar 1862 erteilte die landgräfliche Behörde die vorläufige und am 15. August 1862 die endgültige Baugenehmigung. Am 19. September 1862 konnte der Grundstein gelegt werden.

Die Steine für die geräumig geplante Kirche wurden in Seulberg gebrannt. Schon lange ging man hier dem Töpferhandwerk nach. Der tonige und lehmige Boden ermöglichte eine stabile Brennung von Ziegelsteinen, die man beim Bau verwendete. Die ortsansässige Firma Kaspar Ripp verfertigte die Ziegel. Bis 1847 wurden solche Ziegel im Aulofen (Auler = Töpfer) in der im westlichen Ortsteil gelegenen “Lahmekaut” verfertigt. Das mundartliche Wort “Lahmekaut” bezeichnet eine “Lehmkaute”. Unter einer “Kaute” versteht man eine tiefe Mulde. Sie ist bis heute im Straßenbild der Wimsbacher Straße noch erkennbar und diente über Jahrhunderte als Lehmreservoir der Seulberger Töpfer.

Am 6. November 1864 wurde die fertiggestellte Kirche eingeweiht. Man versammelte sich im bisherigen Betsaal und zog in festlicher Prozession unter dem Geläut der Glocken zum Portal der Kirche. Dort überreichte der Baumeister den Schlüssel dem “landesherrlichen Commisär”, der ihn dem “kirchlichen Commisär” weitergab, der ihn dann seinerseits dem Ortsgeistlichen Pfarrer Martin Wolf (Pfarrer seit 1863) “zur Öffnung der Türe” aushändigte.

Die neue Kirche sollte als Raum daherkommen, in dem sich die Gemeinde versammelt, um Gottes Wort zu hören, auf das zu antworten sie eingeladen ist. Es ging den Erbauern also mehr um die Errichtung eines Kommunikations- als eines Sakralraumes.

Der Kirchturm

Der 1864 erbaute Kirchturm überragt das Dorf und wird von den Seulbergern als Wahrzeichen ihres Wohnortes wahrgenommen. Er markiert nicht nur die alte Dorfmitte, sondern weist insbesondere nach oben. Er überragt die umstehenden Häuser und weitet den Blick aus der alltäglichen “Horizontale” in eine “Vertikale”, die er bleibend in Erinnerung bringt. 

Die Kirchengemeinde sieht ihre Aufgabe darin, inmitten des Alltags die Frage nach Gott und die Perspektive auf IHN offenzuhalten und nach IHM Ausschau zu halten. Der Kirchturm will an die Perspektive erinnern, die Jesus von Nazareth aufgemacht hat, der den Himmel über sich offen wusste (Mk 1,10) und seine Zeitgenossen ermahnte, den Himmel nicht zu veruntreuen. Der Seulberger Kirchturm ist mit seinen 50 Metern weithin zu sehen und darf durchaus als “Leuchtturm des Glaubens” verstanden werden. Er vermittelt den Passanten ein Gefühl von Sicherheit. Seine Wehrhaftigkeit erinnert an Luthers Lied “Ein feste Burg ist unser Gott!”

Er ist künstlerisch durchaus anspruchsvoll gestaltet und gegliedert. Über dem quadratischen Sockel, der über das 2022 neu gedeckte Kirchendach hinausreicht, erhebt sich der achteckige Turm in die Höhe. Die Strebepfeiler sind von schlanken Filialen gekrönt, die dem Turmsockel trotz seines Trutzcharakters eine gewisse Leichtigkeit und ein schlank wirkendes Erscheinungsbild verleihen. Das “Podest” ist durch das Dreigestirn von spitz zulaufendem Portal, spitz zulaufendem zweibahnigem Fenster und den Turmuhren durchbrochen und ist durch ein Spitzbogenfries vom folgenden Turmelement abgesetzt. 

Der auf dem quadratischen “Podest” aufstehende achteckige Turm, der von vier Filialen begrenzt und durch sogenannte “Fischaugen” und den darüberliegenden Schallfenstern durchbrochen ist, mündet in eine Bekrönung, auf der der in Schiefer gedeckte Turmhelm aufsitzt und in den Himmel ragt. Der Turm musste immer wieder saniert und neu eingedeckt werden. So etwa zwischen und nach den Weltkriegen (1937/1951) und wiederum 1968. Letztmalig im Rahmen der Sanierungsarbeiten in den frühen 2000er-Jahren. 

Wahrzeichen des Ortes

Das Wahrzeichen Seulbergs findet sich prominent auf der Fahne der Freiwilligen Feuerwehr Seulberg, die 2023 ihr 100-jähriges Bestehen feierte. Die Gemeinde nutzt die Silhouette als Logo, das 2021 von Claudia Mirschenz-Müller entworfen und der Gemeinde zur Verfügung gestellt wurde. Wie sehr die Seulberger “ihren” Kirchturm lieben, zeigt sich in der steten Verwendung des Turmes als Wahrzeichen ihrer Verbundenheit mit ihrem Wohnort. 

(Text übernommen aus dem Seulberger Domführer, erarbeitet von Schülern der Hardtwaldschule und Pfarrer Dr. Thomas Krenski)